ASP ist die Afrikanische Schweinepest. Sie ist eine äußerst ansteckende, meist fieberhaft verlaufende Seuche und befällt Haus- und Wildschweine. Die Krankheit stellt für andere Tiere und Menschen keine Gesundheitsgefährdung dar. Dennoch ist die Ausbreitung der ASP ein großes Problem für Schweinebetriebe, da bei Befall ALLE Tiere eines Betriebes getötet werden müssen und wird ein befallenes Wildtier gefunden, müssen großräumige Handelsbeschränkungen in den betroffenen Gebieten eingehalten werden.

Da die ASP schon seit längerem vom Osten her am Vormarsch ist, bereits in Polen, Ungarn, der Slowakei und Deutschland zahlreiche Fälle bekannt sind, befürchtet man auch in naher Zukunft einen Befall und die Ausbreitung in Österreich. In Deutschland wird schon seit Längerem mit ASP-Kadaversuchhunde – Gespannen die Ausbreitung verlangsamt, indem die Suchhunde Gespanne verendete Wildtiere aktiv in vom Land zugeteilten Gebieten suchen und diese Funde sofort vom Amtsveterinär geprüft und entsorgt werden können.

Auf Grund der drohenden Gefahr und aktiven Suchhunde Gespannen im Freundeskreis, haben wir uns nun entschieden mit zwei Hunden aus unserem Kennel die ASP-Kadaversuchhunde Ausbildung in Deutschland zu machen. In Deutschland gibt es sogar verschiedene Förderungen, wenn man diese Ausbildung macht.

Die Ausbildung führte uns nach Hessen, in den Landkreis Schwalm-Eder, zur Hundeschule von Barbara Schäfer. Sie ist Hundeführerin von Steirischen Rauhaarbracken, einer Meute Basset fauve de Bretagne und kann auf langjährige Erfahrung als Jägerin, Hundeführerin, JGHV-Verbandsrichterin und Jagdhunde Trainerin zurückgreifen.

Vor dem Start der Ausbildung zum ASP-Kadaversuchhund müssen einige Voraussetzungen UNBEDINGT gegeben sein. Der Hund soll gut im Gehorsam stehen, leinenführig und schussfest sein und muss unbedingt am flüchtenden Schwarzwild abrufbar sein. Die Fächer Gehorsam, Leinenführigkeit und Schussfestigkeit sollen bestenfalls auch schon geprüft sein, dh. in Österreich durch eine Anlagen- oder Gebrauchsprüfung, in Deutschland durch die jagdliche Brauchbarkeit oder eine Verbandsstöberprüfung.

Im Klaren muss man sich auch sein, dass man dem Hund – wie auch bei der Schweissarbeit – einen entsprechenden Hinweis geben muss, dass man jetzt Kadaver sucht. Wir haben uns dafür entschieden eine leichte Weste anzuziehen – manche nehmen ein Geschirr oder ein Glöckchen – und als Befehl haben wir „Such das Nutschi“ ausgesucht. Den Befehl „Such Verwund“ nehmen wir zur Fährtenarbeit, „Zeig mir das Hasi“ zum Brackieren …

Im ersten Block der Ausbildung werden diese Eigenschaften genau kontrolliert und im Revier nochmals abgerufen oder geringfügig gefestigt und korrigiert. Gerade bei Hunden, die einen Jagdbetrieb kennen, ist der absolute Gehorsam wichtig, denn es geht im Suchenbetrieb vorrangig darum, flüchtendes Wild und frische Fährten stehen zu lassen und sich allein der Suche von Wildschwein Kadavern zu widmen. Die Hunde gehen bei der Suche stets frei im Buschiermodus, das heißt weit jagende Hunde ohne Abrufbarkeit sind unbrauchbar.

Ein weiterer Punkt, der im ersten Ausbildungsblock trainiert wird, ist das Anzeigeverhalten des Hundes. So mancher kennt diesen Punkt aus der einen oder anderen Prüfungsordnung – das Verweisen. Man muss sich vorstellen, dass der Hund in starker Dickung einen Kadaver gefunden hat … ja, aber woher weiß ich das? Der Hund muss dem Hundeführer also diesen Fund entsprechend verweisen bzw. anzeigen. Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten: der Hund kann Laut geben, der Hund kann zurückkommen und dich holen, der Hund kann ein Bringsel (einen kleinen Gegenstand am Halsband hängend) aufnehmen und bringen oder der Hund kann sich hinsetzen und am Fundort verweilen. Jeder Suchhund hat zwingend ein GPS-Gerät angebracht, beim Verweilen am Platz für längere Zeit, kann der Hundeführer dann gezielt dorthin gehen.

Das GPS-Gerät hat übrigens noch einen anderen Grund. In Deutschland müssen die Suchen mit der GPS-Aufzeichnung dem Land übergegeben werden, denn die Hundeführer werden für Ihre Arbeit als Suchen-Gespann auch entsprechend entlohnt.

Nach den ersten Trainingstagen fährt man mit geballtem Wissen wieder nach Hause und ist daran eigenständig das Gelernte mit seinen Hunden zu festigen. Das stete weiter Trainieren von diesem angelernten Verhalten führt zu einem ordentlichen Anzeigeverhalten im Betrieb.

Das Anzeigeverhalten beginnt man am besten mit kleinen Duftproben zu konditionieren. Wer eine kleine Duftprobe findet, tut sich später mit einem Stück Schwarte umso leichter. Manche machen es mit Schwartenstückchen in verschiedenen Verwesungszuständen in Gläsern, Kübeln oder Duftboxen, wir haben es mit Duft-Proben in Abflussrohren gemacht. Zuerst versucht man dem Hund zu zeigen, um welchen Duft es geht, was wir überhaupt suchen. Belohnt wird mit dem, was der Hund annimmt – Futter, Lieblings-Spielzeug oder einfach nur die blanke Freude von Frauchen 😉 Wenn man Glück hat, zeigt der Hund ein natürliches Anzeigeverhalten und man muss ihm nichts antrainieren.

Ein paar Wochen später geht es an den zweiten Ausbildungsblock. Hier wird das Gelernte abgerufen – zwischen mehreren Hunden, auf einer Wiese, im fremden Revier, auf kleinen Flächen und dann auf Größeren, zuerst mit einer Probe, dann mit mehreren aufeinanderfolgenden Proben.

Danach geht es an die Sau. Zuerst wird die Reaktion an der Pendelsau (die Wildschweinschwarte, getrocknet, in Form des Schweines, an einem Seil) beobachtet. Man braucht im Suchenbetrieb vor allem Hunde, die Abstand halten zur lebenden Sau, nicht ZU aufdringlich sind und nicht zupacken. Hat man ein von der ASP befallenes, noch lebendes Schwein vor sich, will man NICHT die Rotte sprengen, es weder weitertreiben noch die ASP am Hund kleben haben.

Nach dem angelernten Verhalten an der Pendelsau geht es ab ins Übungsgatter. In Deutschland sind Übungsgatter unabdingbar zum Heranführen der Jagdhunde an das wehrhafte Schwarzwild und tierschutzrechtlich abgesegnet (im Gegensatz zu Österreich). Im Gatter soll der Hund die Sauen selbständig suchen und sobald er sie anjagt, muss der Hund vom Hundeführer abgerufen werden. Die Intensität des Abrufes ist hier dem Hundeführer überlassen, Hauptsache der Hund lässt vom Stück ab und kommt zum Hundeführer zurück. Aus Erfahrung kann ich sagen, das Abrufen von unserer Felice, die nicht im aktiven Jagdbetrieb (dh. Drückjagden) steht, war um Welten einfacher als das Abrufen unserer alten erfahrenen Aminata. Nach diesem Ausbildungsschritt bekommt man eine schriftliche Bestätigung des Ausbildners über die Abrufbarkeit am Schwarzwild.

Nun hatten wir Gehorsam und Anzeigeverhalten verinnerlicht und ab ging es zu den freien, großflächigen Suchen ins Revier. Die Proben wurden willkürlich in Holzkisten oder Rex Gläsern oder auch mal frei Schwarte ausgelegt. Über die Tage machten die Hunde zahlreiche Suchen in verschiedenen Bewüchsen und mit Proben in mehreren Verwesungsstadien. Die Hunde wussten gut, worum es ging bei der Suche und so konnte man auf die Entfernung des Hundes vom Hundeführer oder das Ablassen von frischen Fährten einwirken und entsprechend korrigieren.

Am Ende des zweiten Ausbildungsblockes konnte ein Termin mit dem Amtsveterinär des Landkreises gebucht werden, der uns Suchen Gespannen nun die zugehörige Prüfung abnehmen sollte, die uns später berechtigt diese Funktion ASP-Kadaversuchhund offiziell auszuüben. Am Vortag der Prüfung werden drei Proben vom Amtsveterinär selbst ausgelegt. Am Prüfungstag müssen von diesen drei Proben, zwei, innerhalb von 20 Minuten, gefunden werden. Das abzusuchende Gebiet ist ungefähr 3ha groß. Die Schwierigkeit an diesem Tag war, dass wir die ganze Woche im Wald geübt hatten und das Prüfungsgelände auf einmal auch eine weite Wiese beinhaltet hatte, mit Pferdebestand. Zugute kam uns dafür der Wind, der genau aus der Richtung kam, wo zwei Proben ausgelegt waren. Die Hunde konnten die gestellte Aufgabe gut lösen, wobei doch eine leichte Ablenkung auf Grund des Pferdebestandes und frischer Verleitfährten am Waldrand gegeben war. Aber so ist es doch auch bei der natürlichen Suche, man weiß einfach nicht, was einen erwartet und muss ohne Ablenkung das zugewiesene Gebiet nach Kadavern absuchen.

Sowohl Felice, als auch Aminata haben die Prüfung zum ASP-Kadaversuchhund bestanden und die Ausbildung hat uns gezeigt, wie viel man seinen Hunden abverlangen kann und sie zu tun bereit sind. Wir werden jetzt weiter unsere Hunde auf die Kadaversuche konditioniert halten, sie nicht im Jagdbetrieb einsetzen und freuen uns schon auf unseren ersten richtigen Einsatz.